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Einfache Gewinnermittlung für kleine Unternehmen

11.10.2013 - Freiberufler sowie kleine und mittlere Unternehmen können ihren Gewinn nach dem Einkommensteuergesetz im Rahmen einer Einnahmen-Überschussrechnung, kurz EÜR, ermitteln. Wer eine EÜR erstellen darf und welche Positionen erfasst werden, erklärt der Softwarehersteller Haufe-Lexware.

Wer darf eine Einnahmen-Überschussrechnung erstellen?

Nach den Regelungen des Einkommensteuergesetzes dürfen Gewerbetreibende ihren Betriebsgewinn mittels Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln wenn:

  • Sie als Einzelunternehmer agieren
  • Sie nicht als Unternehmen oder Vollkaufmann im Handelsregister eingetragen sind und zur doppelten Buchführung verpflichtet sind
  • Sie nicht freiwillig Bücher führen
  • Ihr Jahresumsatz weniger als 500.000 Euro beträgt
  • Ihr Jahresgewinn weniger als 50.000 Euro beträgt

Welche Positionen werden erfasst?

In der EÜR werden die tatsächlichen Betriebseinnahmen den tatsächlich geleisteten Ausgaben gegenübergestellt. Aus der Differenz ergibt sich ein Gewinn- oder gegebenenfalls ein Verlustbetrag. Um das Verfahren einfach zu halten, werden bei der EÜR nur die Zahlungen aufgezeichnet. Oft verlangt das Finanzamt bei bestimmten Positionen weitere Nachweise anhand von Belegen. Als Ergänzung müssen gegebenenfalls vorgelegt werden:

  • Anlageverzeichnis mit nicht abnutzbaren Wirtschaftsgütern
  • Übersicht über abnutzbare Anlagegegenstände
  • Verzeichnis über Wirtschaftsgüter mit einem Wert von über 150 Euro
  • Beschränkt abzugsfähige Aufwendungen müssen separat erfasst werden

Zu- und Abflussprinzip beachten

Im Gegensatz zur Bilanzierung gilt bei der Einnahmen-Überschussrechnung das strenge Zu- und Abflussprinzip. Das heißt, Aufwendungen und Einnahmen müssen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung erfasst werden. Eine Ausnahme kann bei regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen gemacht werden, die zum Jahreswechsel fällig sind. Diese Zahlungen können bis zu zehn Tage vor oder zehn Tage nach dem Jahreswechsel erfolgen und trotzdem dem jeweils anderen Jahr zugeordnet werden. Zum Beispiel wird eine zum 31. Dezember 2013 fällige Rate erst am 7. Januar 2014 beglichen. Die Zahlung kann aufgrund der Ausnahmeregelung dem Kalenderjahr 2013 zugeschrieben werden, obwohl sie tatsächlich erst im Jahr 2014 erfolgt. Auf diese Weise haben Steuerpflichtige im Rahmen der EÜR einige Gestaltungsmöglichkeiten. Dazu zählen unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Zeichnet sich ein zu hoher Gewinn für das laufende Geschäftsjahr ab, können Rechnungen für bereits erbrachte Leistungen erst im Folgejahr gestellt werden.
  • Wer im Folgejahr eine hohe Investition in sein bewegliches Anlagevermögen plant, kann bereits im laufenden Jahr 40 Prozent der voraussichtlichen Ausgaben vom Gewinn abziehen. Diese Möglichkeit besteht nur bei einem Gewinn bis zu 100.000 Euro.
  • Werden Anlagegegenstände über mehrere Jahre abgeschrieben, kann ein Wechsel der Abschreibungsmethode den Gewinn schmälern. Wird ein Gegenstand degressiv abgeschrieben, so kann ein Wechsel zur linearen Abschreibung einen höheren Abzug bedeuten. Gesetzlich erlaubt ist der Wechsel nur von der degressiven zur linearen Abschreibung.

Formulare für die Einnahmen-Überschussrechnung

Für das Jahr 2012 stehen Steuerpflichtigen, die ihren Gewinn durch eine Einnahmen-Überschussrechnung berechnen, nach den Vorgaben des Bundesfinanzministeriums folgende Formulare zur Verfügung:

  • Anlage EÜR 2012
  • Anleitung zur EÜR 2012
  • Anlagenverzeichnis 2012
  • Schuldzinsen 2012

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben kann bei Gewinnen unter 17.500 Euro eine formlose EÜR erfolgen. Seit dem Jahr 2005 gilt die Pflicht zur elektronischen Übermittlung der EÜR an das Finanzamt. Die Steuerbehörde erkennt lediglich in besonderen Fällen noch die Abgabe in Papierform an. Wer nicht über die notwendige Ausstattung verfügt, kann beim Finanzamt eine Sonderregelung beantragen.

Vorteile für Freiberufler und Gewerbetreibende

Neben den Möglichkeiten für Freiberufler oder Gewerbetreibende in der Gewinnermittlung bedingt Einfluss auf den steuerlichen Gewinn zu nehmen, ist der Zeitaufwand dieser Methode deutlich geringer. Spezielle Softwarelösungen bieten effektive Unterstützung. Der Verwaltungsaufwand ist überschaubar, da weder eine Verpflichtung zur Inventur noch zur separaten Kontoführung besteht.

redaktionell verantwortlich: mittelstanddirekt